„Der Zauber steckt immer im Detail“. Frank-J. Suhr – Ausgewählte Werke

Frank-J. Suhr interessierte sich für die Malerei selbst, sowohl für die Farbe, die das Material ist, aus dem Bilder bestehen als auch für den Kanon von Bildern, der für die westliche Kunstgeschichte prägend ist. Die Gemälde seines Interesses betrachtete er wie durch unterschiedlich starke Lupen: Mal schaute er auf nur wenige Pinselstriche, mal auf größere Bildausschnitte.

Frank-J. Suhr, Pinselstrich IV, 2009, Öl auf Leinwand, 105 x 160 cm, Privatbesitz

Frank-J. Suhr, Pinselstrich IV, 2009, Öl auf Leinwand, 105 x 160 cm, Privatbesitz

In Kooperation mit Schloss Agathenburg zeigte das Buxtehude·Museum vom 2. November 2014 bis zum 12. April 2015 unterschiedliche, ausgewählte Aspekte aus seinem vielfältigen Schaffen. Stillleben, Landschaften und Marktszenen, überwiegend auf seinen Reisen durch Asien entstanden, waren ebenso zu sehen wie seine Wolkenstudien.

Der Künstler Frank-J. Suhr

Der besondere Blick auf die großen Werke der Kunstgeschichte oder bei seinen farbkräftigen Stillleben von asiatischen Tütensuppen zeichnet den Künstler Frank-J. Suhr aus. Er betrachtete die Gemälde seines Interesses wie durch eine starke Lupe und schaute mal nur auf wenige Pinselstriche, mal auf größere Bildausschnitte. So finden sich in seinem Werk ebenso Arbeiten, deren Bildgegenstand jene wenigen Pinselstriche sind, wie auch solche, in denen er sich den Werken Alten Meister widmet. Suhr war fasziniert vom Wechselspiel zwischen Realität und Illusion.

Eine seiner großen Werkgruppen umfasst die Auseinandersetzung mit den Gemälden Alter Meister, insbesondere Jan Vermeer und Willem Kalf. Suhr wählte jeweils einen Ausschnitt eines Gemäldes, wie etwa Teile der Kleidung einer Figur oder Teilbereiche aus einem Stillleben, die er getreu der Vorlage in traditioneller Malweise formatfüllend ins Bild setzte.
Die Bilder, die auf seinen Reisen durch Vietnam entstanden, verfremdete Suhr auf andere Weise: Die fotorealistische Darstellung bricht er teilweise durch aufgesetzte Elemente. Wo etwa die Darstellung eines Himmels zu erwarten wäre, findet man einen monochromen Farbauftrag vor. Das von ihm häufig verwendete Mittel der Unschärfe bevorzugte er auch bei seinen asiatischen Tütensuppen.

Frank-J. Suhr hat einige Jahre für das Buxtehude·Museum gearbeitet und auch als Künstler hier seine Spuren hinterlassen. 1992 stellte er erstmals seine eigenen Gemälde im Buxtehude Museum aus. In der ersten Sonderausstellung der Reihe „Kontrapunkte“ mit dem Titel „Simulierte Aura – Bilder von Frank Suhr und Jeff Turek“ setze er sich gemeinsam mit dem Künstlerkollegen Jeff Turek mit dem Thema sakraler Kunst und ihrer Wirkung auseinander. Im Sakralturm des Buxtehude•Museums schufen die beiden Künstler eine Inszenierung mit eigenen Arbeiten, die, ergänzt durch die Wirkung von Musik und reduziertem Licht zur Auseinandersetzung mit dem Begriff und Erleben von „Aura“ animierten. Frank-J. Suhrs Werk „Himmel“, das in diesem Kontext entstand, befindet sich bis heute als in der Sakralturm-Ausstellung des Buxtehude·Museums. In diesem Werk kombiniert er ein an der Decke befestigtes goldgerahmtes Gemälde, das die Ansicht eines blauen, leicht bewölkten Himmels zeigt, mit einem kleinen Sockel am Boden des Museumsraumes, auf dem ein Spiegel befestigt ist.