So spannend kann Gips sein

Lisa-Marie Bruenninski, die Vor- und Frühgeschichte studiert, absolvierte im Februar 2017 ein freiwilliges Praktikum bei uns. Ihr Studium der Vor- und Frühgeschichte hat sie aus Leidenschaft gewählt und so ist es kein Wunder, dass ihr Lieblingsobjekt aus diesem Fachgebiet stammt.

Eins meiner Lieblingsstücke aus der Sammlung ist….

das Objekt mit der Inventarnummer e / 01701, die Gipsnachbildung eines jungsteinzeitlichen Steinbeils.

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Lisa-Marie Bruenninski vermisst das Steinbeil für die genaue Erfassung des Objektes in der Datenbank

Wann und wie hat es seinen Weg in das Buxtehude·Museum gefunden?

Die Gipsnachbildung wird erstmals 1881 im „Eingangsbuch des Museumsvereins von 1881 – 1911“ genannt. Das Imitat ist eins der ersten Objekte, die dort eingetragen wurden. Damit entspricht der Gipsabdruck ganz dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts, denn man versuchte zu dieser Zeit durch Gipsimitate große Universalsammlungen, u. a. in Universitäten, in Museen und privaten Lehrsammlungen zu gründen. Durch Abdrücke wurden so Skulpturen, Gefäße, Geräte und Waffen aus verschiedenen Kulturen und Epochen zugänglich gemacht.

Die Nachbildung des Beils ist Bestandteil einer Sammlung von ursprünglich zehn Gipsabdrücken von prähistorischen Steinbeilen und –Äxten. Die Sammlung wird als Geschenk von Julius Scharlok (1809-1899) im ersten Eingangsbuch des Museums aufgeführt. Scharlok war Botaniker und 1883 Gründungsmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Besonders bemerkenswert ist, dass sich an einigen seiner Gipsabdrücke noch Aufkleber mit den Nummern aus dem Eingangsbuch von 1881 befinden.

Was fasziniert Sie an dem Objekt?

Mich fasziniert, wie detailgetreu man im 19. Jahrhundert den Feuerstein nachgebildet hat. Das Imitat hat eine Färbung, die dem Original sehr ähnlich sein muss, außerdem sind die Stellen erkennbar, die man bei einem Original als „Abschlagsnegative“ bezeichen würde. Das sind die Stellen am Stein, die eingedellt wirken, denn dort hat man mit gezielten Schlägen etwas vom Stein abgeschlagen. Ganz besonders spannend finde ich drei kleine, ausgemalte Einkerbungen an der Schneide des Beils. Sie zeigen an, dass das Original-Beil in der Vorgeschichte tatsächlich genutzt wurde.

Wenn Ihr Herzensobjekt Ihnen antworten könnte, was würden Sie es fragen?

Ich würde gerne wissen, wer diese tolle Gipsnachbildung gefertigt hat und vor allem wo. Der Schenker Julius Scharlok stammt aus dem preußischen Graudenz; warum hat er seine Sammlung ausgerechnet dem Buxtehuder Heimatverein geschenkt? Natürlich interessiert mich auch das Originalstück. Woher kommt es? Wer hat es gefunden? Wer hat damit Holz bearbeitet? Die Frage um Julius Scharlok lässt sich vielleicht klären, aber der Nutzer des Beils liegt mehrere Jahrtausende in der Vergangenheit verborgen.

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Die Nachbildung des Steinbeils

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In der Mitte des Nachbildung erkannt man die detailgetreu nachgearbeitete Einkerbung