Die Sammlung des Buxtehude·Museums von den Anfängen bis heute

Die ersten Sammlungsstücke des Buxtehude·Museums wurden bereits vor über 100 Jahren erstmals auf dem Dachboden des Rathauses der Öffentlichkeit präsentiert. Der 1880 vom damaligen Pastor primarius Höpfner gegründete „Verein zur Unterstützung einer städtischen Sammlung kunstgeschichtlicher und kunstgewerblicher Gegenstände“ lud am 1. April 1881 interessierte Besucher ein, sich die von zahlreichen Buxtehuder Bürgern zur Verfügung gestellten Objekte anzusehen. Immerhin vier Stunden war die Sammlung an dem Tag zugänglich, wie aus der zu diesem Anlass im Buxtehuder Tageblatt geschalteten Anzeige hervorgeht.

Um die Entstehung der Sammlung machte sich insbesondere der Architekt Moritz Reichel verdient. Reichel war seit 1877 als Lehrer an der königlichen Baugewerkschule Buxtehude (heute „hochschule 21″) tätig und gab dort 1880 aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Direktor seine Lehrtätigkeit auf. Was für ihn persönlich und beruflich sicher ein Schlag war, bedeutete für die Stadt Buxtehude ein großes Glück. Beruflich nun nicht mehr eingebunden, hatte Reichel Zeit für andere Dinge. Ein Bild aus dem Leben der Heiligen Anna, das an einer feuchten Wand in der St. Petri-Kirche hing und dem aufgrund dieser schlechten klimatischen Bedingungen der Verfall drohte, brachte ihn auf die Idee, in Buxtehude für die Eröffnung eines Stadtmuseums zu werben. Unterstützung hierfür fand er bei Höpfner, dem die Rettung zweier, ebenfalls gefährdeter Altäre aus der St. Petri-Kirche am Herzen lag und der deshalb 1880 einen entsprechenden Verein ins Leben rief.

Mit viel Sachverstand begab sich der junge Archítekt Reichel mit einigen seiner ehemaligen Schüler auf die Suche nach Kunstschätzen in verschiedenen Buxtehuder Bürgerhäusern und wurde fündig. Insgesamt nahm er 544 Zugänge innerhalb von neun Monaten in das erste Eingangsbuch auf. Der Stadtrat war begeistert von dieser Initiative und stellte für die „städtische Kunstsammlung“ den Dachboden des Rathauses zur Verfügung. Dieser Raum wurde allerdings schnell zu klein und auch dort waren die klimatischen Bedingungen direkt unter dem Pfannendach für den Erhalt der Objekte nicht förderlich. Um 1904 herum wurde dem Verein daher der Ratssaal für die Ausstellung der Sammlung angeboten. Auf einem bis heute erhaltenen Foto, das den Sammlungsgrundstock auf dem Dachboden zeigt, sind einige Objekte, wie z.B. ein geschmiedetes Zierhufeisen, zu erkennen, die sich noch bis heute in der Sammlung des Buxtehude·Museums befinden. Das Foto zeigt auch, dass man die Sammlung damals als sog. Schausammlung präsentierte, also ohne —wie heute üblich— eine bewusste Inszenierung oder nähere Erklärungen zu den Objekten. An einigen von ihnen sind sogar kleine Schildchen zu erkennen. Auf ihnen steht die Eingangsnummer, mit deren Hilfe sich bis heute der Weg des Objektes in die Sammlung nachvollziehen lässt. Glücklicherweise sind die Zugangsverzeichnisse seit den Anfängen der Sammlung erhalten und stellen einen großen Schatz des Buxtehude·Museums dar.

Verzeichnis_1880-1911_Seite_1

Die ersten verzeichneten Zugänge aus dem Zugangsverzeichnis des Buxtehuder „Vereins zur Gründung und Unterstützung einer städtischen kunsthistorischen und kunstgewerblichen Sammlung“, 1880-1911

Hufeisen

Das verzierte Hufeisen – eines der ersten Sammlungsstücke. Laut Altverzeichnis wurde es als Schild gebraucht.

Seit Juli 1881 konnte sich Reichel wegen seiner Berufung an die Baugewerkschule in Hamburg nicht mehr im Verein engagieren. Das öffentliche Interesse an der Sammlung konnte noch einige Jahre aufrechterhalten werden; mit der Zeit ebbte es jedoch ab. Neuen Schwung gab es 1907 mit der Gründung des „Museums-Vereins“, der die Fortsetzung des „Vereins zur Unterstützung einer städtischen Sammlung kunstgeschichtlicher und kunstgewerblicher Gegenstände“ bildete. Der einzige Zweck dieses Vereins war „die Sammlung und Erhaltung der in hiesiger Stadt und Umgegend verstreuten Kunstgegenstände und Altertümer“. Nach wie vor konnte der Ratssaal zu Ausstellungszwecken genutzt werden, aber für jede Ratssitzung musste die Sammlung zur Seite geräumt werden, was bei allen Beteiligten zu Unzufriedenheit führte.

Der Grundstein für eine entscheidende Veränderung wurde im Jahre 1911 gelegt. Nach einem verheerenden  Stadtbrand standen unter anderem vom Rathaus nur noch die Grundmauern. Glücklicherweise konnte die Sammlung des Museumsvereins fast vollständig gerettet werden. Der Verein hatte mit dem Senator und Seifenfabrikanten Julius Cäsar Kähler einen wohlwollenden Mäzen gefunden, dem der museale Gedanke am Herzen lag. Er ließ ein Haus bauen, das er 1913 dem Verein mit der Auflage schenkte, dort die Sammlung unterzubringen, wie es der offiziellen Eintragung des damals in Berlin geführten Schenkungsregisters zu entnehmen ist. Damit hatte die 33 Jahre zuvor begonnene Sammlung ein eigenes Zuhause gefunden, das gleichzeitig der Beginn des Buxtehude·Museums war.

Wer mit der historischen Fotografie, die Teile der Sammlung auf dem Dachboden des Rathauses zeigt, aufmerksam durch den heutigen Altbau des Buxtehude·Museums streift, wird manches davon wiederentdecken. Einige der Objekte wurden fest in dem Haus verbaut, wie etwa der Löwenkopf oder die kleine Tür mit den floralen und figürlichen Darstellungen, die mittlerweile Teil der im 2. Obergeschoss eingebauten Prieche ist. Andere, wie die reich mit Schnitzereien verzierte Truhe, stehen dort nach wie vor als Ausstellungsstück.

Dachboden

Historische Aufnahme vom Dachboden des Rathauses mit den ersten Sammlungsstücken des Buxtehude·Museums, vor 1904

Loewenkopf

Der Löwenkopf als Teil des Treppengeländers am Aufgang zur Altländer Stube

Truhe

Die reich mit Schnitzereien verzierte Kastentruhe, um 1900

Der älteste Gebäudeteil des Buxtehude·Museums trägt somit zur aktuellen Vielfalt des Museums bei. Das Buxtehude·Museum hat seine Sammlung bis heute umfangreich erweitert und verpflichtet sich nach wie vor der Wahrnehmung seiner Kernaufgaben: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Nach erfolgter Sanierung, Erweiterung und Neugestaltung der Dauerausstellungen im nächsten Jahr kann es diese Aufgaben auch wieder in vollen Umfang umsetzen.