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Das war der Internationale Museumstag 2017

Der Internationale Museumstag bot vielen interessierten Besuchern eine der wenigen Möglichkeiten hinter die wegen des Umbaus geschlossenen Türen des Buxtehude·Museums zu schauen. Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller führte ein bunt gemischtes Publikum aller Altersstufen zum Motto des Museumstages „Spuren suchen“. Mit einem Foto von 1911, das die auf dem Dachboden des damaligen Rathauses ausgestellten Objekte des Museums zeigt, begab sie sich in die Anfänge des Buxtehude·Museums. Einige der auf dem Foto gezeigten Gegenstände befinden sich noch heute in der Sammlung und sind teilweise sogar im Altbau zu entdecken. Anhand des Eingangsbuches von 1881, das den Besuchern präsentiert wurde, kann noch heute nachvollzogen werden, wer wann welche Objekte an das Museum gegeben hat. Aus der Zeit um 1881 existieren  einige original erhaltene Leihscheine, die genau aufführen, welche Objekte deren Besitzer dem Museum zur Verfügung stellten. Dass die Leihscheine gar nicht so einfach zu entziffern sind, stellten insbesondere die jungen Besucher fest, denn die damalige Schrift „Sütterlin“ ist schon lange aus unserem Alltag verschwunden. Hier gab es spontan generationsübergreifende Lesehilfe!

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Dr. Susanne B. Keller erläutert das 1911 auf dem Dachboden des Buxtehuder Rathauses aufgenommene Foto

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Station mit Objekten aus den Anfängen des Sammlungsbestandes sowie dem Eingangsbuch von 1881 (rot)

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„Diese Schrift heißt Sütterlin“, erklärt sie ihrer Enkelin und hilft bei der „Übersetzung“

Nachdem Frau Dr. Keller den für die bald anstehenden Sanierungsarbeiten gut geschützten Innenraum des Sakralturms gezeigt hatte, setzte Herr Dr. Habermann die Führung in der zukünftigen Archäologie fort. Hier hieß es frei nach dem Mottto „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Die Ausgrabungen des sächsischen Gräberfeldes von Buxtehude-Immenbeck erläuterte er mit dem geschulten Blick eines Archäologen und sorgte für manches Aha-Erlebnis bei den Besuchern.

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Ein Hauch des Verpackungskünstlers Christ weht durch des Sakralturm des Buxtehude·Museums

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Dr. Bernd Habermann lässt die Zuhörer an seinem geschulten Archäologenblick teilhaben

Internationaler Museumstag 2017

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Uwe Engel, Filialleiter der Sparkasse Harburg-Buxtehude und Dr. Susanne B. Keller werben für den Internationalen Museumstag 2017

Die Sparkasse Harburg-Buxtehude ist ein wichtiger Partner für Kultur in der Region und unterstützt das Buxtehude·Museum bereits seit langer Zeit. Auch für die Neueinrichtung des Buxtehude·Museums ist die Sparkasse Harburg-Buxtehude gemeinsam mit der Sparkassen-Stiftung einer der größten Förderer. Gerne macht Uwe Engel, Filialleiter der Sparkasse Harburg-Buxtehude, ebenfalls Werbung für den Internationalen Museumstag. Dieser Tag wird traditionell von den Stiftungen und Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt.

Am Sonntag, 21. Mai 2017 lädt das Buxtehude·Museum unter dem Motto „Spurensuche“ zum Internationalen Museumstag ein. Die Museumsdirektorin führt hinter die Kulissen und es gibt spannende Einblicke in die Arbeit eines Archäologen am Beispiel des europaweit beachteten sächsischen Gräberfeldes von Buxtehude-Immenbeck. Die einmaligen Funde aus dieser Grabung werden nach Abschluss der Sanierung zentraler Bestandteil der neuen Dauerausstellung des Buxtehude·Museums sein.

Auch am Hansefest der Hansestadt Buxtehude beteiligt sich das Museum. Am Samstag, 20. Mai 2017 bietet der Altbau des Buxtehude·Museums mit dem Heimatmuseum einen schönen Anlass, dort einen Stadtrundgang  beginnen zu lassen. Eine Entdeckerstation zum Thema „Spuren der Hansezeit in Buxtehude“ liefert viele Informationen, die Buxtehudes historische Altstadt in ein neues Licht tauchen.

Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. Führungen durch den Altbau sind möglich.

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Trachtenhaube traf Rüsselbecher

Wie werden die historischen Schätze im Buxtehude·Museum bewahrt, dokumentiert, gepflegt und erforscht? Was haben die Archäologen auf dem Gräberfeld in Buxtehude-Immenbeck ausgegraben und wie erging es den Funden danach? Diese Fragen wurden den Teilnehmern der Führungen im Rahmen der Veranstaltung „Buxtehude will’s wissen” ausführlich von der Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller beantwortet.

Bei einem Gang durch die Räume der ehemaligen Ausstellung „Die neue Zeit” erhielten die Besucher Einblick in die dort vorübergehend eingerichtete Abteilung für „Inventarisierung”. Hier werden alle Schätze des Museums mit Nummer, Foto und den wichtgsten Angaben in einer Datenbank erfasst, genau untersucht und anschließend professionell verpackt. Dass im musealen Bereich zur Aufbewahrung nicht mit schlichten Umzugskisten gearbeitet werden kann, sondern dass ausschließlich säurefreies Seidenpapier und spezielle Kartonagen benutzt werden dürfen, erfuhren die interessierten Gäste nebenbei auch noch.

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Die Fotostation in der Abteilung Inventarisierung

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Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller erläutert die Aufgaben in der Inventarisierung

Zum Abschluss ging es in die zukünftige Abteilung Archäologie, wo ein kurzer Film über die Ausgrabungen in Buxtehude-Immenbeck in den Jahren 2000-2004 informierte. In dem dort bei Bauarbeiten entdeckten sächsischen Gräberfeld aus dem 4.-6. Jahrhundert n. Chr. wurden zahlreiche sensationelle Funde geborgen. Aufgrund der Vielzahl der Objekte hatte man gegen Ende der Ausgrabungen die noch in der Erde verborgenen Funde in sog. Blöcken geborgen. Diese werden noch heute im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover gelagert und dort nach und nach je nach Zeit und Kapazitäten geöffnet. Somit steigt auch mehr als zehn Jahre nach Ende der Ausgrabungen die Anzahl der Funde aus Immenbeck stetig an und sorgt für anhaltende Begeisterung über diese einmalige Entdeckung, die den Museumsbesuchern deutlich anzumerken war.

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Filmvorführung in der zukünftigen Abteilung zur Archäologie

Diamonds are a girl’s best friend ?

So sang es Marilyn Monroe 1953 und mochte davon auch überzeugt sein. Aus einem anderen Material aber mindestens genauso beeindruckend und einmalig sind die vielen Perlen, die auf dem sächsischen Gräberfeld bei Buxtehude-Immenbeck gefunden wurden. Das wurde noch einmal bei einem Besuch im niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege deutlich.

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Andrea Tröller-Reimer und Gabriele Schulz vom Landesamt für Denkmalpflege freuen sich über den Besuch der Buxtehuder Museumsleiterin

Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller machte sich auf den Weg in die Landeshauptstadt, um sich dort einen Überblick über den Bearbeitungsstand der Ausgrabungsfunde zu verschaffen. Im Landesamt lagern immer noch zahlreiche Blöcke aus dem Grabungsfeld, die darauf warten, geöffnet zu werden. Zwar sind alle geröntgt, womit ihr Inhalt weitestgehend bekannt ist. Aber dennoch kommen ab und zu noch Dinge ans Licht, die selbst von den Röntgenstrahlen nicht erkannt wurden. Andrea Tröller-Reimer, die zuständige Restauratorin für Altertumskunde vom Landesamt, war selbst einige Male überrascht. „Als ich z.B. den einen Block öffnete, war ich aufgrund des Röntgenbefundes überzeugt, eine Fibel und wenige Perlen vorzufinden. Also eine Arbeit für einen knappen Tag. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass darüber hinaus viele nur millimetergroße blaue Perlen in dem Block waren, so dass ich mit der Dokumentation und dem Freilegen erheblich länger beschäftigt war”, erzählt sie schmunzelnd und gleichzeitig begeistert über die Vielfalt der gut erhaltenen Schmuckstücke.

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In den „Katakomben“ des Landesamtes: Andrea Tröller-Reimer, Dr. Susanne B. Keller und Gabriele Schulz vor einem Teil der als Block geborgenen Grabbeigaben aus dem Grab AE 73 aus Buxtehude-Immenbeck

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In diesen Blöcken warten noch einige Funde auf ihre Freilegung

Begeistert zeigte sich auch Frau Dr. Keller, die sich bereits auf die Präsentation der Perlen in der neuen archäologischen Abteilung freut. „Die Vielfalt, die Farbigkeit und der Erhaltungszustand der Perlen sind einmalig und sie werden neben den fantastischen Glasfunden ein weiteres Highlight sein”, verspricht sie.

Gabriele Schulz, ebenfalls Restauratorin am Landesamt, hat bereits etliche der Perlen restauriert und ist ihrem Zauber völlig erlegen. Privat hat sie begonnen, einige der Perlen nachzuarbeiten, zum einen, um den historischen Herstellungsprozess nachzuvollziehen, zum anderen, um sie in ihrer ursprünglichen Schönheit auferstehen zu lassen.

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Eine kleiner…

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…Vorgeschmack…

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…auf die archäologische Ausstellung

 

 

Museumsmacher treffen sich

Damit alle Zahnrädchen der Sanierung und Neueinrichtung passend ineinandergreifen, trafen sich Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller, Architekt Bernd Wedemann sowie die Museumsgestalter Karsten Blum und Ergin Güner vom Gestalterbüro hgb, Hannover, um die entscheidenden Schritte abzusprechen. Die Grundrisse der einzelnen Räume liegen vor, nun müssen die Abläufe und der Einsatz der jeweiligen Gewerke geplant werden. Die Begeisterung über das umfangreiche und herausfordernde Projekt war dabei allen Beteiligten deutlich anzumerken. „Die Vielfalt, die das Buxtehude·Museum zur Neueröffnung bieten wird, ist für uns etwas ganz Besonderes”, darin waren sich Güner und Blum einig. Das Projekt „Neues Buxtehude·Museum” nimmt Fahrt auf!

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Experten unter sich: Architekt Bernd Wedemann, Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller, Ergin Güner und Karsten Blum von hgb tauschen sich aus

Die trauernde Madonna – Auf Entdeckungsreise mit den Augen

Susanne Mayerhofer, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Buxtehude·Museums, stellt Ihnen ihr Lieblingsobjekt vor. Sie hat, neben vielen anderen Dingen, die Dauerausstellung im Sakralturm entwickelt und ihn im Jahr 1997 mit dem britischen Künstler Michael Craig-Martin zu einem Highlight werden lassen. Kein Wunder also, dass ihr Herzensobjekt eines der sakralen Objekte ist.

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Susanne Mayerhofer vor der Madonna, die aufgrund der Museums-Sanierung auf ihre Rückkehr in den Sakralturm wartet

1. Eins meiner Lieblingsstücke aus der Sammlung ist….

die lebensgroße Holzfigur einer trauernden Maria. Ihre Haltung weist darauf hin, dass sie ursprünglich zu einer Kreuzigungsgruppe gehörte. Die stehende Madonna ist vermutlich um 1470/1480 in einer Hamburger Werkstatt gefertigt worden. Sie ist aus Eichenholz geschnitzt und war ursprünglich – wie dies bei mittelalterlichen Bildwerken üblich war – „gefasst“: Sie war bemalt und farbig gestaltet. Form und Farbe bildeten eine Einheit, doch wurden die Farbschichten wahrscheinlich im 19. Jahrhundert bis auf den plastisch geformten Holzkern entfernt und durch die heute sichtbare dunkle Beize ersetzt. Die Vorgehensweise spiegelt eine im Zeitgeschmack des Klassizismus und der Romantik wurzelnde Tendenz in der Restaurierungsgeschichte wieder. Man schätzte den mittelalterlichen Gestaltungswillen falsch ein und begriff die originale Farbfassung nicht als Teil des Kunstwerks.

Laut mündlicher Überlieferung ist die trauernde Maria schon im 30jährigen Krieg schwer beschädigt worden. In den Religionskriegen kam es häufig vor, dass sakrale Bildwerke mutwillig entstellt wurden, wozu insbesondere das Abschlagen der Nasen zählte. Außerdem hat die Buxtehuder Maria ihre Hände eingebüßt, die sie ursprünglich vor ihrem sanft geschwungenen Körper hielt.

2. Wann und wie hat es seinen Weg in das Buxtehude·Museum gefunden?

Die trauernde Maria zählt zu den ältesten Sammlungsstücken des Buxtehude·Museums und wird als Leihgabe der St.-Petri-Kirchengemeinde geführt. Schon im Eingangsbuch von 1881 wird sie als „Holzschnitzarbeit“ bezeichnet. Sie befand sich also schon damals in dem heutigen Zustand.

3. Was fasziniert Sie an dem Objekt?

Trotz aller Beschädigungen und Verluste strahlt die Figur nach meinem Empfinden große Vollkommenheit aus.

Die in sich gekehrte Gestalt besticht durch ihre zurückhaltende, ja elegant wirkende Schlichtheit. Ihr einfacher Mantel ist in wenigen Falten drapiert und umschließt die schlank aufragende Figur. Er gibt nur einen schmalen Ausschnitt des in geraden senkrechten Falten fallenden Kleides preis. In einem sanften S-Schwung wird der Blick von dort zum Antlitz gelenkt. Es ist in tiefer, still verinnerlichter Trauer versunken. Alles konzentriert sich auf den leise erduldeten, dadurch aber nicht weniger intensiven Schmerz.

Da mein Blick durch die Kunst des 20. Jahrhunderts und ihre von der Konvention abweichenden Ausdrucksmittel geprägt ist, gelingt es mir, sogar die offensichtlich erlittenen

Schäden – den Verlust von Nase und Händen – in mein Bild der trauernden Madonna zu integrieren. Sie wirken auf mich wie Wunden, die diese Maria mit Würde erträgt.

4. Wenn Ihr Herzensobjekt Ihnen antworten könnte, was würden Sie es fragen?

Gern würde ich wissen, wer die Marienfigur geschaffen hat, wie sie ursprünglich ausgesehen hat und wo sie aufgestellt war; darüber hinaus würde ich auch gern mehr über ihre Geschichte und die Motive für die Eingriffe und Veränderungen erfahren. Da die schriftlichen Quellen nicht ergiebig sind, bleibt die Figur selbst Zeitzeugin ihres Wandels. Auch wenn die originale Einheit unwiederbringlich verloren und nicht wiederherzustellen ist, so können vielleicht aus Resten der alten Farbschichten, die sich in den Faltentiefen erhalten haben, doch noch Erkenntnisse über das beeindruckende Bildwerk gewonnen werden!

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Susanne Mayerhofer untersucht die Madonna mit einem Handmikroskop…

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und findet winzige Reste blauer Farbe in den Gewandfalten

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So wird die Madonna nach Ende der Umbauarbeiten wieder im Sakralturm zu sehen sein

 

Der Plan ist gut

Noch schafft der Bagger Platz für die neuen Gebäude, aber in Kürze wird das Grundstück für die Erweiterung des Museums frei sein. Auf der Baustelle treffen sich am letzten Abrisstag der Architekt Bernd Wedemann, der Leiter des Bauamts Michael Nyveld und die Leiterin des Buxtehude·Museums, Dr. Susanne B. Keller, um die Pläne des Architekturbüros Wedemann zu studieren. „Hier entsteht der neue Sonderausstellungsraum, darüber die Erweiterung der stadtgeschichtlichen Abteilung“, erklärt Bernd Wedemann und deutet hinter sich, um den beiden anderen den Bereich für die zukünftigen Bauten zu zeigen.  Dr. Susanne B. Keller freut sich besonders über den zusätzlichen Raum im 1. Obergeschoss, der dringend für die umfangreiche Stadtgeschichte Buxtehudes benötigt wird. Damit ist Platz für ein interaktives Stadtmodell und natürlich können mehr Geschichten erzählt und Objekte dazu gezeigt werden.

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Architekt Bernd Wedemann erläutert seine Pläne

Zur Viverstraße hin ist ein Depotgebäude geplant, das dem Museum Raum für Stühle und Vitrinen bieten wird und in dem es erstmals ein professionelles Gemäldedepot einrichten kann. Erfreulicherweise konnten für die Gemäldezuganlage bereits Fördermittel von der Hermann-Reemtsma-Stiftung eingeworben werden.

Der Plan ist gut, finden alle – und freuen sich auf seine Realisierung.

 

Nachts im Museum

Trachtenhaube trifft Rüsselbecher – Bei uns kommen Schätze ans Licht

Bei der Neuauflage der Nacht des Wissens ist das Buxtehude·Museum am Freitag, 31.3.2017 dabei.

Das Team vom Buxtehude·Museum zeigt und erzählt, was sich alles hinter den geschlossenen Türen bewegt. Wie werden die verschiedenen historischen Schätze dokumentiert, gepflegt und erforscht? Was haben die Archäologen auf dem Gräberfeld in Buxtehude-Immenbeck gefunden und wie erging es den Funden danach?

Wir bieten eine Führung um 18:30 Uhr und eine weitere um 20:00 Uhr an. Die Führungen beginnen im Altbau des Museums am St. Petri-Platz 9.

Aufgrund der momentanen Umbauarbeiten müssen wir die Teilnehmerzahl leider auf maximal 20 Personen begrenzen.

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Der Link zum gesamten Programm in Buxtehude

 

So spannend kann Gips sein

Lisa-Marie Bruenninski, die Vor- und Frühgeschichte studiert, absolvierte im Februar 2017 ein freiwilliges Praktikum bei uns. Ihr Studium der Vor- und Frühgeschichte hat sie aus Leidenschaft gewählt und so ist es kein Wunder, dass ihr Lieblingsobjekt aus diesem Fachgebiet stammt.

Eins meiner Lieblingsstücke aus der Sammlung ist….

das Objekt mit der Inventarnummer e / 01701, die Gipsnachbildung eines jungsteinzeitlichen Steinbeils.

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Lisa-Marie Bruenninski vermisst das Steinbeil für die genaue Erfassung des Objektes in der Datenbank

Wann und wie hat es seinen Weg in das Buxtehude·Museum gefunden?

Die Gipsnachbildung wird erstmals 1881 im „Eingangsbuch des Museumsvereins von 1881 – 1911“ genannt. Das Imitat ist eins der ersten Objekte, die dort eingetragen wurden. Damit entspricht der Gipsabdruck ganz dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts, denn man versuchte zu dieser Zeit durch Gipsimitate große Universalsammlungen, u. a. in Universitäten, in Museen und privaten Lehrsammlungen zu gründen. Durch Abdrücke wurden so Skulpturen, Gefäße, Geräte und Waffen aus verschiedenen Kulturen und Epochen zugänglich gemacht.

Die Nachbildung des Beils ist Bestandteil einer Sammlung von ursprünglich zehn Gipsabdrücken von prähistorischen Steinbeilen und –Äxten. Die Sammlung wird als Geschenk von Julius Scharlok (1809-1899) im ersten Eingangsbuch des Museums aufgeführt. Scharlok war Botaniker und 1883 Gründungsmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Besonders bemerkenswert ist, dass sich an einigen seiner Gipsabdrücke noch Aufkleber mit den Nummern aus dem Eingangsbuch von 1881 befinden.

Was fasziniert Sie an dem Objekt?

Mich fasziniert, wie detailgetreu man im 19. Jahrhundert den Feuerstein nachgebildet hat. Das Imitat hat eine Färbung, die dem Original sehr ähnlich sein muss, außerdem sind die Stellen erkennbar, die man bei einem Original als „Abschlagsnegative“ bezeichen würde. Das sind die Stellen am Stein, die eingedellt wirken, denn dort hat man mit gezielten Schlägen etwas vom Stein abgeschlagen. Ganz besonders spannend finde ich drei kleine, ausgemalte Einkerbungen an der Schneide des Beils. Sie zeigen an, dass das Original-Beil in der Vorgeschichte tatsächlich genutzt wurde.

Wenn Ihr Herzensobjekt Ihnen antworten könnte, was würden Sie es fragen?

Ich würde gerne wissen, wer diese tolle Gipsnachbildung gefertigt hat und vor allem wo. Der Schenker Julius Scharlok stammt aus dem preußischen Graudenz; warum hat er seine Sammlung ausgerechnet dem Buxtehuder Heimatverein geschenkt? Natürlich interessiert mich auch das Originalstück. Woher kommt es? Wer hat es gefunden? Wer hat damit Holz bearbeitet? Die Frage um Julius Scharlok lässt sich vielleicht klären, aber der Nutzer des Beils liegt mehrere Jahrtausende in der Vergangenheit verborgen.

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Die Nachbildung des Steinbeils

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In der Mitte des Nachbildung erkannt man die detailgetreu nachgearbeitete Einkerbung

Die Prieche

Für die Präsentation eines neuen Lieblingsobjekts konnten wir Helmut Gretscher, Vorstandsmitglied im Museumsverein Buxtehude e. V. und langjähriger Museumsführer, gewinnen. Eigentlich gehört sein Herz allen Museumsobjekten, aber er hat sich nach einiger Bedenkzeit doch für ein persönliches Highlight entschieden.

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Helmut Gretscher vor der Prieche, die im historischen Altbau zu sehen ist

Eins meiner Lieblingsstücke aus der Sammlung ist….

…die Prieche -ein Vorbau-  mit ihren renaissanceähnlichen Schnitzereien, die im 2. Stock des historischen Altbaus des Buxtehude·Museums eingebaut ist.

Wann und wie hat es seinen Weg in das Buxtehude·Museum gefunden?

Die Prieche ist seit dem Bau des ehemaligen Heimatmuseums, also seit 1913, im Museum. Bereits in den Plänen des Architekten von 1911 ist sie eingezeichnet und wurde dementsprechend als festes Objekt installiert.

Was fasziniert Sie an dem Objekt?

Das Material Holz in seiner vielfältigen Ausprägung hinsichtlich der Maserung, Farbe und Konsistenz hat mich bereits in meiner Jugend fasziniert. Damit wurde aber auch mein Interesse für aus Holz gefertigte Gegenstände geweckt. Am Beispiel der „Prieche“ beeindruckt mich die gelungene Synthese aus handwerklicher Präzision und künstlerischer Gestaltung, mit – gemessen an heutigen Maßstäben – begrenzten Mitteln aus dem sehr harten Eichenholz herausgearbeitet.

Wenn Ihr Herzensobjekt Ihnen antworten könnte, was würden Sie es fragen?

Ich würde wissen wollen, aus welchem Buxtehuder Haus die Prieche stammt und wer sie angefertigt hat.

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Detail mit wunderschöner Schnitzarbeit