Kategorie-Archiv: Allgemein

Es ist eingerüstet

Seit November 2017 ist das Hauptgebäude des Buxtehude·Museums eingerüstet und damit haben die lange geplanten Arbeiten an Dach und Fassade sichtbar begonnen. Insbesondere der sog. Sakralturm wird gebäudetechnisch so instandgesetzt, dass dessen Hülle nach Abschluss der Maßnahmen „dicht“ ist und die 2011 installierte Klimaanlage endlich wie vorgesehen arbeiten kann. Sie ist wichtig für das Klima im Ausstellungsraum, der die empfindlichsten Objekte des Buxtehude·Museums beherbergt: die Triumphkreuzgruppe, den Passionsaltar und die trauernde Madonna — Holzobjekte aus dem 15. Jahrhundert, die auf eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit angewiesen sind.

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In den letzten Wochen wurde zunächst das gesamte Dach nach den neuesten Standards gedämmt und anschließend neu eingedeckt. Danach wurden Fenster im Bereich des Sakralturms sowohl ausgetauscht als auch nach innen geschlossen. Beste Voraussetzungen also auch für das kleine Kunstkabinett, das in der ersten Etage entstehen wird und in dem zukünftig lichtempfindliche Gemälde und Grafiken gezeigt werden.

Auf dem Baugerüst trafen sich zu Beginn der Maßnahmen der ausführende Architekt Bernd Wedemann, die Bürgermeisterin und Vorstandsvorsitzende des Museumsvereins Buxtehude Katja Oldenburg-Schmidt sowie Museumsleiterin Dr. Susanne B. Keller, um sich vor Ort über den Ablauf zu informieren. Am Ende der Besprechung waren sie sich einig: Es liegt ein langer, aber sehr lohnenswerter Weg vor uns!

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©Buxtehude·Museum

1913 – Buxtehude bekommt ein Museum!

Buxtehude um 1913: Eine Zeit, in der bahnbrechend Neues entsteht – in New York wird der größte Bahnhof der Welt eingeweiht, in Detroit das Fließband eingeführt, die Ozonschicht wird entdeckt – und auch in Buxtehude hat die Industrialisierung Einzug gehalten.

Buxtehudes Einwohnerzahl hatte sich zwischen 1815 und 1910 von 1.855 auf 3.785 verdoppelt. Um 1900 gab es in Buxtehude und Altkloster Fabriken zur Herstellung von Papier, Leim, Seife, Farben, Maschinen, Zement und Nudeln sowie zur Lederverarbeitung.

Seit 1881 hatte die Stadt Anschluss an die Eisenbahnlinie Harburg–Stade, 1904 kam das erste Auto nach Buxtehude, ab 1912 wurden Wasserleitungen verlegt. Buxtehude hatte sich zu einem blühenden Wirtschaftsstandort entwickelt.

Gleichzeitig wächst allerorten ein Bewusstsein über die Bedeutung von Traditionen: christliche Kunstwerke werden aus feuchten Kirchen vor dem Verfall gerettet, alte Handwerksgeräte aus aufgegebenen Werkstätten gesichert, überlieferte Technik, traditionelle Möbel, Trachten, Schmuck, Gemälde, kunstgewerbliche Gegenstände und andere kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Der in Buxtehude 1880 ins Leben gerufene „Verein zur Gründung und Unterstützung einer städtischen kunsthistorischen und kunstgewerblichen Sammlung“ – ab 1907 „Museumsverein“– stellte seine Sammlung zunächst auf dem Dachboden und später im Ratssaal des Rathauses aus. 30 Jahre lang bestand dieses provisorische „Museum“. Dann stiftete der Buxtehuder Senator, Fabrikant und engagierte Mäzen Julius Cäsar Kähler für die Buxtehuder Schätze der Vergangenheit eigens ein Gebäude am St.-Petri-Platz, das am 9. Februar 1913 eröffnet wurde.

Die Ausstellung im Buxtehude•Museum gewährte den Besuchern vom 12. Februar bis zum 7. April 2013 einen Blick zurück in das „Buxtehude um 1913“: Anhand von originalen Dokumenten, Objekten aus der erste Zeit der Sammlung und zahlreichen Informationen wurde die Geschichte rund um die Gründung des Heimatmuseums erzählt.

Die Ausstellung wurde gefördert vom Heimatverein Buxtehude Haus Fischerstraße 3 e.V., der Else und Heinrich Klindtworth-Stiftung und dem Landschaftsverband Stade.

Jubiläumsbriefmarke

Vom Internationalen Museumstag, Sonntag 12. Mai, an zeigte das Buxtehude•Museum im Rahmen seines Museumspädagogischen Programms die Ausstellung: Eine Jubiläumsbriefmarke zum 100-jährigen Bestehen des Buxtehuder Heimatmuseums – Entwürfe von Schülerinnen und Schülern der Halepaghen-Schule, Buxtehude.

Rund 100 Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassen und Kurse (Klasse 6e, Wahlpflichtkurs Kunst Klasse 9, 11. Jahrgang Kunstkurs auf grundlegendem Niveau und Kunstkurs auf erhöhtem Niveau) entwickelten unter der Leitung ihrer Kunstlehrer Karl-Hans Bahns und Tanja Kriete verschiedene Entwürfe für eine Jubiläumsbriefmarke. Entsprechend der Aufgabenstellung setzten sie sich mit dem Heimatmuseum – seinem historischen Gebäude und seinen Ausstellungsstücken – und/oder mit dem Begriff „Heimat“ auseinander.

Es entstanden beeindruckende, zum Teil tiefsinnige, mitunter amüsante Ergebnisse. Im Foyer des Buxtehude•Museums waren diese sehenswerten Entwürfe für eine Jubiläumsbriefmarke vom12. Mai – 31. Juni 2013 ausgestellt. Sie waren im Original sowie als verkleinerte Kopie im Briefmarkenformat zu sehen und wurden in der Ausstellung durch Aussagen der Schülerinnen und Schüler zu ihren Motiven ergänzt.

Aus den vielen bemerkenswerten und herausragenden Entwürfen konnten dank der Unterstützung des Heimatvereins Buxtehude und der Deutschen Post insgesamt vier unterschiedliche Motive (jeweils eines pro teilnehmender Gruppe) für den Druck echter Briefmarken ausgewählt werden. Die druckfrischen Jubiläumsbriefmarken wurden im Museumsshop verkauft.

Ein gemeinsames Projekt der Halepaghen-Schule und des Buxtehude•Museums, mit Unterstützung des Heimatvereins Buxtehude Haus Fischerstraße 3 e. V., der Deutschen Post und der toom BauMarkt GmbH.

WALDBILDER von Hinrich Gauerke

Anlässlich der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013 zeigte das Buxtehude•Museum vom 28.4. bis zum 1.9.2013 die Ausstellung WALDBILDER von Hinrich Gauerke.

Bei der Werkgruppe „Waldbilder“ beginnt Hinrich Gauerke seine künstlerische Arbeit im Wald und setzt im Atelier sein Naturerleben in der Malerei fort. Die atmosphärisch bewegte Wirkung seiner Bilder erzeugt der Hamburger Künstler nicht durch naturalistische Imitation der realen Welt. Vielmehr gewinnt er sie durch Erarbeitung spezifischer bildräumlicher Strukturen – durch Bereiche von Schärfe und Unschärfe, die im Prozess der Wahrnehmung belebt und vollendet werden.

Der prozessartige Wahrnehmungsvorgang parallelisiert das Naturerlebnis des Künstlers im Wald, das Hinrich Gauerke mit folgenden Worten beschreibt: „… Die Stelle, an der ich morgens um zehn beginne, sieht schon um halb elf ganz anders aus. Die Sonne wandert – und auch ich scheine mich zu bewegen: Ständig sehe ich neue Zusammenhänge. Es ist, als zöge sich vor meinen Augen ein Vorhang vor dem nächsten auf …“

In seinen Bildern strebt Hinrich Gauerke nicht danach, einen spezifischen Ort oder eine einzelne Lichtstimmung zu inszenieren. Es geht ihm dagegen darum, die über Stunden hinweg von ihm erlebte Dynamik der Natur zu erfassen. Mit bildnerischen Mitteln überführt er diese in die Kunst, um sie beim Anschauen der Bilder spürbar zu machen.

Für seine Bildgestaltung nutzt Gauerke die bereits in der Antike gebräuchliche Technik der Enkaustik (Wachsmalerei). Mit schichtweise aufgetragenem Wachs wird eine besonders lebendig wirkende Oberfläche mit farbintensivem Tiefenlicht erzeugt. Hinrich Gauerke perfektioniert das künstlerische Verfahren durch die gezielte Modellierung der Gemäldeoberflächen.

Man könnte meinen, dass die von ihm dargestellten Pflanzen und Tiere aus der Farbmaterie wachsen. Vor dem Gemälde „Pferd im Wald“ (2012) glaubt man den Blick des Tieres förmlich zu spüren, als würde es aus dem Unterholz zu uns herüberschauen. So lebensnah die Anmutung ist, so deutlich wird gleichzeitig die Freiheit der künstlerischen Gestaltung. In Farbigkeit und Textur scheint das Pferd mit seiner Umgebung regelrecht verwoben zu sein, wirkt wie ein Teil des Waldes. Das Spiel mit dem Realitätsgrad der Erscheinung regt dazu an, Fragen zu stellen. Man kann über den Zusammenhang von Pferd und Wald nachdenken oder auch verschiedene Vorstellungsbilder vom Wald reflektieren. Dazu zählen beispielsweise die von Märchen und Mythen geprägten Bilder, aber auch unterschiedliche Begriffe von Natur – vom Wald in seiner heutigen kultivierten Form als Forst oder von der nicht kultivierten Natur der Urwälder, in denen früher auch in unseren Breiten Wildpferde lebten. Gauerkes Bild bezieht keine Stellung. Die Bildaussage bleibt offen, die Malerei vielschichtig und geheimnisvoll.

Die Ausstellung WALDBILDER von Hinrich Gauerke wurde mit freundlicher Unterstützung der Else und Heinrich Klindtworth-Stiftung veranstaltet.

OVER SAND UNDE SEE … 650 Jahre Hansestadt Buxtehude

Das Buxtehude∙Museum widmete der Ersterwähnung Buxtehudes als Hansestadt im Jahre 1363 eine Sonder- und Jubiläumsausstellung, die vom 27. September 2013 bis zum 21. April 2014 zu sehen war. Historische Dokumente und archäologische Funde belegen, dass sich die Stadt schon kurz nach der Stadtgründung im Jahr 1285 zu einer Drehscheibe hansischen See- und Landhandels entwickelt hatte.

Buxtehude wurde als erste deutsche Stadt planmäßig um ein zentrales Hafenbecken herum gebaut und war seinerzeit die modernste Hafengründung Deutschlands. Bis heute ist die historische Altstadt ganz wesentlich durch das Fleth, den innerstädtischen Hafenkanal, geprägt, der anschaulich vor Augen führt, wie ein Hafen zur Hansezeit aussah. „Das Fleth ist – neben der gotischen Backsteinbasilika von St.-Petri – das bedeutendste Baudenkmal der Stadt. Der Hafen von Buxtehude steht daher im Mittelpunkt der Ausstellung“, so Museumsleiterin Dr. Susanne Keller. Filmisch unterstützt, veranschaulichte ein Stadtmodell, mit welchen städte- und wasserbautechnischen Maßnahmen die neue Hafenstadt gebaut wurde.

Modelle veranschaulichen das mittelalterliche Hafenleben
Hansezeitliche Exponate, Urkunden, Bilder und Modelle illustrierten, wie der mittelalterliche Hafenbetrieb funktionierte, wo die Schiffe vor Anker lagen und an welchen Stellen sie be- und entladen wurden. Am Schnittpunkt von Landwegen und Wasserstraße, als Fähr- und Übergangsort über die Elbe, profitierte Buxtehude vom regionalen und überregionalen Getreidehandel ebenso wie vom hansischen Fernhandel. Die Niederelbe war im Mittelalter und der frühen Neuzeit neben Stade nur von Buxtehude aus zu überqueren.

In der Altstadt von Buxtehude entdeckte Ausgrabungsfunde erlaubten in der Ausstellung spannende Rückschlüsse auf Alltagsleben und Handelsgeschäfte: Wie ernährten sich die Menschen? Welche Handelsgüter kamen woher und welche Berufe gab es? Museumsobjekte und Schriftquellen aus dem Buxtehuder Stadtarchiv vertieften den Blick auf die damaligen Verhältnisse und beleuchteten die Rolle Buxtehudes in der Hanse.

Hermann Martens – Bilder aus dem Krieg

 

Hermann Martens, Staraja Russa,

Hermann Martens: „Staraja-Russa“, 1941, Aquarell, 38×54 cm, Hansestadt Buxtehude

Die Ausstellung

Im Mai 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Das Buxtehude∙Museum nahm dies zum Anlass, Hermann Martens‘ „Kriegsbilder“ ‒ frisch restauriert und neu gerahmt ‒ erstmals im Museum zu zeigen. Die neue Sonderausstellung entstand in Kooperation mit der Hansestadt Buxtehude – Stadtarchiv und Kulturbüro. Informationen zu Martens‘ Biografie und zum Zweiten Weltkrieg ergänzten die eindrucksvollen Zeichnungen. Historische Dokumente und Fotografien, die nicht nur vom Stadtarchiv sondern auch von der Familie Martens zur Verfügung gestellt wurden sowie ein Zeitzeugenbericht von Hermann Martens‘ Neffen, der über eine Audiostation angehört werden kann, vermittelten den Besuchern ergänzend aufschlussreiche Informationen.

Hermann Martens – ein Maler aus Leidenschaft

Hermann Martens wurde als jüngstes von sieben Kindern einer Arbeiterfamilie in Buxtehude geboren und studierte mit einem Stipendium der Halepaghen-Stiftung von 1929‒1933 an der Hamburger Landeskunstschule (heute: Hochschule für bildende Künste), unter anderem bei Arthur Illies. 1940 erfolgte Martens Einberufung und er kam zunächst nach Frankreich, dann an die Ostfront in Russland. Im „Kessel von Demjansk“ erlitt er starke Erfrierungen, so dass ihm 1942 im Lazarett im schlesischen Münsterberg Teile der Füße amputiert werden mussten. Dort nahm er an einem Malwettbewerb der Berufsmaler in Breslau teil und erhielt den ersten Preis. Im August 1943 zeigte das städtische Heimatmuseum der Stadt Münsterberg Martens‘ Aquarelle und Zeichnungen von der Ostfront unter dem Titel „Mit Gewehr und Skizzenblock“. Die lokale Zeitung veröffentlichte eine ausführliche Besprechung mit der Überschrift: „Kunst, im Stahlgewitter geglüht“. Darin wird Hermann Martens zitiert: „Es war herrlich, rauszugehen, wenn es irgendeine freie Minute während der Kämpfe gab, zu malen und nichts zu sehen und wissen um den Streit der Meinungen, Geschmäcker und Stilrichtungen, einfach nur zu malen und zu zeichnen, weil es einen danach drängte, das war schön.“

Schon bevor Martens nach Buxtehude zurückkehrte, fand 1943 in der Deutschen Buch-Gemeinschaft Hamburg eine weitere Ausstellung „Südlich des Ilmensees“ seiner in Russland entstandenen „Kriegszeichnungen“ statt. Von 1950 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1952 lehrte Martens an der Buxtehuder Malerschule.

Hermann Martens: Drei Pferde, Tuschezeichnung, 32 x 42 cm, Hansestadt Buxtehude

Hermann Martens: Drei Pferde, Tuschezeichnung, 32 x 42 cm, Hansestadt Buxtehude

Hermann Martens: Feldlager (Russland, Kessel Demjansk), Tuschezeichnung, 44 x 56 cm, Hansestadt Buxtehude

Hermann Martens: Feldlager (Russland, Kessel Demjansk), Tuschezeichnung, 44 x 56 cm, Hansestadt Buxtehude

„ZWISCHEN menschen. Christa Donatius – Malerei“

In mehr als zwanzig figürlichen Motiven aus den Jahren 2011 bis 2014 widmete sich Christa Donatius den Menschen unserer Zeit und ihrem alltäglichen Miteinander. Drei Werkgruppen „UN-Land“, „Umkehrung“ und „Die Badenden“ – machten mittels unterschiedlicher Bildfindungen erfahrbar, was Christa Donatius unter dem Thema ZWISCHEN zusammenfasst: Es geht um Übergangssituationen, Zwischenzustände und vor allem um die variierende Haltung, die Menschen je nach eigener Stimmungslage zueinander einnehmen können.
Die Betrachter werden entweder durch direkten Blickkontakt oder auch durch einen Bildausschnitt, der sie nah an die dargestellten Menschen heranführt, in die Bildkompositionen einbezogen. Im Zentrum stehen dabei der Blick – und die Frage, was ZWISCHEN Betrachter und Bild passiert. Im geschützten Umfeld der Kunst bieten die Gemälde von Christa Donatius die Gelegenheit, den eigenen Blick auf andere zu reflektieren. Kunst dient so einer „Schule des Sehens“, sie lässt die Betrachter innehalten.

Die Ausstellung war vom 1. Mai bis zum 6. Juli 2014 im Buxtehude•Museum zu sehen.

Die Hamburgerin Christa Donatius hat mehrere Kunstpreise erhalten. Ihre Werke wurden in einer Vielzahl von Ausstellungen in Deutschland – überwiegend Norddeutschland – sowie in Schweden, Österreich, Finnland und Russland ausgestellt. Etliche ihrer Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen. Christa Donatius lebt mit dem Bildhauer Michael Jalowczarz auf Gut Daudieck bei Horneburg.

„Der Zauber steckt immer im Detail“. Frank-J. Suhr – Ausgewählte Werke

Frank-J. Suhr interessierte sich für die Malerei selbst, sowohl für die Farbe, die das Material ist, aus dem Bilder bestehen als auch für den Kanon von Bildern, der für die westliche Kunstgeschichte prägend ist. Die Gemälde seines Interesses betrachtete er wie durch unterschiedlich starke Lupen: Mal schaute er auf nur wenige Pinselstriche, mal auf größere Bildausschnitte.

Frank-J. Suhr, Pinselstrich IV, 2009, Öl auf Leinwand, 105 x 160 cm, Privatbesitz

Frank-J. Suhr, Pinselstrich IV, 2009, Öl auf Leinwand, 105 x 160 cm, Privatbesitz

In Kooperation mit Schloss Agathenburg zeigte das Buxtehude·Museum vom 2. November 2014 bis zum 12. April 2015 unterschiedliche, ausgewählte Aspekte aus seinem vielfältigen Schaffen. Stillleben, Landschaften und Marktszenen, überwiegend auf seinen Reisen durch Asien entstanden, waren ebenso zu sehen wie seine Wolkenstudien.

Der Künstler Frank-J. Suhr

Der besondere Blick auf die großen Werke der Kunstgeschichte oder bei seinen farbkräftigen Stillleben von asiatischen Tütensuppen zeichnet den Künstler Frank-J. Suhr aus. Er betrachtete die Gemälde seines Interesses wie durch eine starke Lupe und schaute mal nur auf wenige Pinselstriche, mal auf größere Bildausschnitte. So finden sich in seinem Werk ebenso Arbeiten, deren Bildgegenstand jene wenigen Pinselstriche sind, wie auch solche, in denen er sich den Werken Alten Meister widmet. Suhr war fasziniert vom Wechselspiel zwischen Realität und Illusion.

Eine seiner großen Werkgruppen umfasst die Auseinandersetzung mit den Gemälden Alter Meister, insbesondere Jan Vermeer und Willem Kalf. Suhr wählte jeweils einen Ausschnitt eines Gemäldes, wie etwa Teile der Kleidung einer Figur oder Teilbereiche aus einem Stillleben, die er getreu der Vorlage in traditioneller Malweise formatfüllend ins Bild setzte.
Die Bilder, die auf seinen Reisen durch Vietnam entstanden, verfremdete Suhr auf andere Weise: Die fotorealistische Darstellung bricht er teilweise durch aufgesetzte Elemente. Wo etwa die Darstellung eines Himmels zu erwarten wäre, findet man einen monochromen Farbauftrag vor. Das von ihm häufig verwendete Mittel der Unschärfe bevorzugte er auch bei seinen asiatischen Tütensuppen.

Frank-J. Suhr hat einige Jahre für das Buxtehude·Museum gearbeitet und auch als Künstler hier seine Spuren hinterlassen. 1992 stellte er erstmals seine eigenen Gemälde im Buxtehude Museum aus. In der ersten Sonderausstellung der Reihe „Kontrapunkte“ mit dem Titel „Simulierte Aura – Bilder von Frank Suhr und Jeff Turek“ setze er sich gemeinsam mit dem Künstlerkollegen Jeff Turek mit dem Thema sakraler Kunst und ihrer Wirkung auseinander. Im Sakralturm des Buxtehude•Museums schufen die beiden Künstler eine Inszenierung mit eigenen Arbeiten, die, ergänzt durch die Wirkung von Musik und reduziertem Licht zur Auseinandersetzung mit dem Begriff und Erleben von „Aura“ animierten. Frank-J. Suhrs Werk „Himmel“, das in diesem Kontext entstand, befindet sich bis heute als in der Sakralturm-Ausstellung des Buxtehude·Museums. In diesem Werk kombiniert er ein an der Decke befestigtes goldgerahmtes Gemälde, das die Ansicht eines blauen, leicht bewölkten Himmels zeigt, mit einem kleinen Sockel am Boden des Museumsraumes, auf dem ein Spiegel befestigt ist.

Der kleine Schützenkönig von Buxtehude – Ein Bild und seine Geschichte

Das Gemälde „Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude“ (1840) des bekannten Hamburger Malers Jacob Gensler (1808–1845) galt als verschollen, bis es im Herbst 2012 aus englischem Privatbesitz auftauchte und von der Hansestadt Buxtehude erworben werden konnte. Im Jubiläumsjahr des 475-jährigen Bestehens der Buxtehuder Schützengilde wurde es erstmals im Buxtehude•Museum der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Gemälde „Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude“ (1840) des bekannten Hamburger Malers Jacob Gensler (1808–1845) galt als verschollen, bis es im Herbst 2012 aus englischem Privatbesitz auftauchte und von der Hansestadt Buxtehude erworben werden konnte. Im Jubiläumsjahr des 475-jährigen Bestehens der Buxtehuder Schützengilde wurde es erstmals im Buxtehude•Museum der Öffentlichkeit präsentiert.

Künstler entdecken Buxtehude
Zum Gemälde zeigte die Ausstellung zahlreiche Studienblätter sowie eine Kompositionsskizze, die das planvolle Vorgehen des Künstlers nachvollziehbar machten. Künstlerische Ansichten von Buxtehude und Architekturstudien belegten darüber hinaus die gemeinsam mit dem Freund Louis Gurlitt, einem weiteren bedeutenden Hamburger Landschaftsmaler, unternommenen Ausflüge der Brüder Jacob und Martin Gensler in die Estestadt. Die Auswahl der Motive zeigte den Blick der Künstler auf die idyllischen Seiten der Stadt und ließ gleichzeitig erkennen, dass die Anlagen der Stadtbefestigung im 19. Jahrhundert bereits brüchig – oder wie der Wehrturm westlich vom Geesttor – schon zur Ruine verfallen waren. Porträts veranschaulichten die zentrale Stellung von Jacob Gensler innerhalb der Hamburger Künstlerschaft.

Johann Jacob Gensler, Der kleine Schützenkönig von Buxtehude, 1838, Bleistift auf Papier, Buxtehude-Museum

Johann Jacob Gensler, Der kleine Schützenkönig von Buxtehude, 1838, Bleistift auf Papier, Buxtehude•Museum

Detail aus dem Gemälde "Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude" von Johann Jacob Gensler, 1840, Öl auf Leinwand, Hansestadt Buxtehude

Detail aus dem Gemälde „Auszug der kleinen Schützengilde von Buxtehude“ von Johann Jacob Gensler, 1840, Öl auf Leinwand, Hansestadt Buxtehude

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schützengilde der Stadt Buxtehude von 1539
Ein zweiter Teil der Ausstellung befasste sich mit der „Schützengilde der Stadt Buxtehude von 1539“ und beleuchtete insbesondere den Zeitraum der Entstehung des Gensler-Gemäldes. Anhand von wertvollen Dokumenten und historischen Objekten aus den Beständen von Stadtarchiv, Buxtehude∙Museum und Schützengilde wurde verdeutlicht, welche Aufgabe die Schützengilde als Bürgerwehr ursprünglich wahrnahm und wie sich die Schützentradition im 19. Jahrhundert weiterentwickelte. Prunkstücke der Ausstellung waren die prachtvolle Königskette, die Kinderkönigskette und ausgewählte Schilde der Schützenkette, die Jacob Gensler gesehen haben kann.